Fjoreholm

Die Heimat des Röde Thjur ist eine der südlichsten dänischen Insel im Ostmeer. Sie dient seinen Männern und Frauen als Zuflucht während der Zeit zwischen den Wikingfahrten, um ihren eigentlichen Berufungen als Handwerker, Bauern und Händler nachzugehen. Fjoreholm liegt unmittelbar vor der Küste der Südlichen Wildnis, wo wilde sächsische und slawische Stämme hausen.

Die Westseite Fjoreholms bilden steile, schroffe Felswände, gegen die unentwegt die Wellen des Ostmeers donnern. Hier ist das Land hügelig, und der Wind heult oft stürmisch von der See her und ringt fortwährend mit den wenigen zerzausten Bäumen, die es wagen hier zu wachsen. Der Boden ist zu uneben für Ackerbau, doch für das Weiden der Schafe gerade recht.
Hier auch liegt der höchste Punkt Fjoreholms, der Hornberg, von dem manche Geschichten zu erzählen sind und auf dem der Röde Thjur einst die erste Fenriswacht hielt. Nicht unweit des Hornbergs finden sich die Grabhügel von König Hjassir Snapvis Fjoreson, dem langjährigen Hetmann und Gründer des Röde Thjur, von dem berühmten Herjan Hallbjorn, dem weißen Wolf, sowie von Gorm dem Alten, welcher Fjoreholm vor vielen Menschenalter entdeckte.

Weiter nördlich schneidet ein Fjord tief in die Küste ein, die Westvik, und bietet einen windgeschützten Hafen, den man ungefährdet von Untiefen und Klippen ansteuern kann. Hoch über dem Fjord ragt die Fjoreborg auf und wacht darüber, wer die Insel ansteuern will. Hier steht auch ein Bootshaus. Darin ruht die Fjoreger, der gefürchtete Drakkar des Röde Thjur, zum Winterschlaf. Zwischen Hornberg und Fjoreborg hat der Jarl seinen Hochsitz in der Halle des Hofes Bjarkagard errichtet.
Etwas weiter südlich liegt ein beschauliches Dörfchen namens Starkadsund. Die Bewohner sind für ihre Trinkfestigkeit berühmt wie berüchtigt, was wenig verwunderlich ist, denn hier hat die Sippe der Lendermannen ihren Wohnsitz und braut den härtesten Schnaps und das beste Bier, das sich auf ganz Fjoreholm – und manche sagen, auch darüber hinaus – finden lässt. Leif Erik Holm ist ihr Hetmann und hat hier seinen Hochstuhl und wacht über das Treiben seiner Mannen und Weiber. Mit dem Röde Thjur verbinden die Lendermannen gute Freundschaft und enge Bande, wenn auch die Listen Leif Eriks, unter denen auch manchmal seine Freunde zu leiden haben, in ganz Fjoreholm bekannt sind.

Der Süden Fjoreholms ist dicht bewaldet, und wer sich allzu weit zwischen mächtige Eichen und dunkle Tannen wagt, kann sich in den ausgedehnten unwegsamen Wäldern auch nur allzu leicht verirren… Denn dies ist der Svinskog, der nicht nur Heimat vieler Wildschweine, sondern auch weitaus merkwürdigerer Dinge ist. Nur wenige Hütten liegen verteilt im dichten Wald, in denen einsame Jäger und Fallensteller leben. Derjenige, der weiß, welchen Weg er gehen muss, kann hier jedoch einen wunderschönen kleinen Weiher finden, den die Fjoreholmer den „Schwedensee“ nennen.

Je weiter man nach Osten kommt, desto flacher und fruchtbarer wird das Land. Folgt man einem der klaren Bäche ostwärts, durch grüne Wiesen und korntragende Felder, vorbei an vereinzelten Hütten und weidenden Herden, erreicht man Arsols Hof. Von hier aus kann die wachsame Schildmaid alle Wege übersehen, die ein Wanderer nehmen kann, wenn er nicht den dunklen Svinskog oder das tückische Froskurmyri durchqueren will.
Nun ist es nicht mehr weit bis zur Ostküste. Dort erhebt sich der prachtvolle Hof Svanheim der stolzen Witwe Svanja Hallgerdsdottir.
Nicht weit davon kann der müde Reisende auf dem Wulfshof, am Rande des Svinskog gelegen, gastliche Aufnahme finden.

Weiter Richtung Norden wird das Land feuchter und unzugänglicher. Flussläufe und kleine Seen verdichten sich zu einer weiten Moorlandschaft, durch die nur Kundige den rechten Weg finden können. Froskurmyri, das Froschmoor, so nennen die Fjoreholmer das Gebiet, nach dem Quaken von Fröschen und Unken, das im Moor allgegenwärtig ist. Einige schiefe Hütten liegen einsam im Sumpf, ihre Bewohner ernähren sich von der Jagd und dem Wenigen, das der Boden bietet. Nur in der Mitte des Moores soll sich ein trockener Flecken Landes befinden. Hier wurde gut verborgen und geschützt vor unerwünschtem Besuch der Moorhof errichtet.
Weiter gen Norden geht das Moor ins Meer über, das bei manchem heftigen Sturm sein salziges Wasser bis weit ins Land hinein spült. Einst hatten einige tapfere Nordleute der Landschaft dort einige Hektar guten Landes abgetrotzt und dort den Freihafen Hamaheim errichtet. Starke Wälle schirmten den Ort vor Flut und Sumpf, und vor Menschen mit schlechten Absichten. Hier herrschte Hyglak Hamasohn, ein weit bekannter Händler, Gründer von Hamaheim und einst Gefolgsmann des Hjassir Fjoreson. Seit den Jahren der großen Stürme sind jedoch alle Verbindungen nach Hamaheim abgebrochen. Es steht zu befürchten, dass Meer und Moor die einst blühende Handelssiedlung wieder verschlungen haben.

Nur ein schmaler Sund trennt Fjoreholm von der südlichen Wildnis, und ein guter Schwimmer könnte die Küste mit Leichtigkeit erreichen – was aber niemand tun würde, der bei klarem Verstand ist. Denn nicht nur Sachsen und Slawen lauern auf dem Festland, auch andere unheimlichere Wesen halten sich in den unerforschten Weiten der Südlichen Wildnis verborgen – und manchmal finden sie den Weg nach Fjoreholm hinüber…